Spezielle Schmerzpsychotherapie

Eine Schmerzpsychotherapie kann Ihnen auf „natürlichem Weg“ helfen, Ihre Lebensqualität zu verbessern und Ihre Schmerzen zu reduzieren.

Warum ist eine Psychotherapie für Schmerzpatienten sinnvoll?

Schmerzen sind immer real und nie eingebildet. Sie entstehen meistens körperlich, so die weit verbreitete Meinung. Das ist in den meisten Fällen auch richtig. Schmerzen werden aber immer auch über die Seele und das Gehirn beeinflusst, was man sich wie eine Filterfunktion vorstellen kann. Hierbei können Schmerzen verstärkt oder reduziert werden. Selbst bei Schmerzen nach einem Knochenbruch beeinflussen unterschiedliche Gemütszustände, wie stark die Schmerzen wahrgenommen werden. Die Art, wie Sie Ihre Schmerzen bewerten, hat ebenfalls einen Einfluss auf die Stärke des Schmerzerlebens.

Oft fällt der Umgang mit diesem negativen Gefühlserlebnis so schwer, dass man die Kontrolle darüber verliert und sich ausgeliefert und hilflos fühlt. Dabei kann es sein, dass man dem Schmerz mehr Macht einräumt, als es eigentlich sein müsste. Wegen eines solchen Gefühls des Kontrollverlusts versuchen Betroffene häufig, sich dadurch zu schützen, indem sie möglichst wenig tun, sowohl im körperlichen als auch im sozialen Bereich. Ein solches Schonverhalten kann jedoch in einer Zunahme des Funktionsverlusts münden – ein Teufelskreis, der alleine nur schwer zu durchbrechen ist. Aus der sozialen Zurückhaltung resultiert häufig der Umstand, dass sich Schmerzpatienten manchmal nicht die Hilfe und Unterstützung holen, die sie bräuchten und die ihnen zusteht.

Chronische Schmerzen können manchmal die ganze Lebensplanung erschüttern und die Lebensbiografie durcheinanderbringen – dann kann es schwerfallen, sich wieder neu zu orientieren.

Weiteren Einfluss auf den Schmerz haben natürlich der Beruf oder Arbeitsplatz und das soziale Umfeld, das unterstützen oder aber auch belasten kann. Eine unbeschwerte und schöne Vergangenheit kann helfen, mit Problemen im Hier und Jetzt umzugehen. Manchmal jedoch hinterlässt sie seelische Vergangenheit Narben, die den Umgang mit Schmerz erschweren. Einige Menschen, die unter chronischen Schmerzen leiden, haben auch seelische Erkrankungen wie zum Beispiel Depressionen. Heute weiß man, dass depressive Verstimmungen das Schmerzerleben verstärken.

Was ist das Ziel der speziellen Schmerzpsychotherapie?

Auf die genannten Faktoren, die Ihre Schmerzen beeinflussen können, richten wir bei der Behandlung ein besonderes Augenmerk. Wer diese Einflussfaktoren kennt, ist ihnen nicht mehr ausgeliefert und kann selbst mehr ausrichten. Die spezielle Schmerzpsychotherapie möchte Ihnen hierbei helfen. Es geht um eine ganz praktische Hilfe, die Ihr Leben einfacher machen soll.

Oft haben Sie in sich sehr viele Möglichkeiten, um mit Ihrem Schmerz gut umzugehen, sind sich aber dieser Möglichkeiten nicht bewusst. Wir helfen Ihnen dann, Ihre eigenen Kompetenzen und Ressourcen zu erkennen und diese einzusetzen. Man bezeichnet das auch als Stärkung der Selbstwirksamkeit. Menschen mit chronischen Schmerzen erkennen nicht immer, in welchen Situationen sie Stress ausgesetzt sind und wie dieser Stress die Schmerzen verstärkt. Wir unterstützen Sie darin, belastende Situationen zu erkennen, und geben Ihnen praktische Ratschläge, wie Sie damit besser umgehen können. Mehr Achtsamkeit und verbesserte Selbstbeobachtung können dabei helfen. Oft können Sie viel mehr tun, als Sie denken. Das versuchen wir mit Ihnen gemeinsam herauszufinden. Wir wollen Ihnen helfen, Ihre eigenen Ressourcen und Kräfte zu stärken.

Unser gesamtes Therapiekonzept möchte Sie dabei unterstützen, sich vom Schmerz zu befreien und sich wieder mehr dem freudvollen Leben zuwenden zu können. Wir möchten, dass Sie das Leben wieder genießen können. Wir helfen Ihnen dabei, für Ihr Leben Ziele zu beschreiben, die Sie realistisch umsetzen können – dies geht jedoch nicht, ohne dass Sie selbst auch aktiv daran mitarbeiten.

Die spezielle Schmerzpsychotherapie besteht zunächst aus einem ersten Einzelgespräch, bei dem Sie sich mit unseren Psychologen ausführlich austauschen können. Danach haben Sie die Möglichkeit, weitere Einzelgespräche zu führen. Darüber hinaus gibt es Gruppenangebote. Die meisten Menschen mit chronischen Schmerzen finden es oft befreiend, nicht alleine mit ihren Problemen zu sein, wofür solche Gruppen ein guter Rahmen sind.

Beim Aufnahmegespräch werden wir Ihnen gerne alle Fragen zur Schmerzpsychotherapie ausführlich beantworten.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann man sagen, dass wir Sie unterstützen wollen, die Faktoren kennenzulernen, die Ihren Schmerz und Ihr Schmerzempfinden beeinflussen. So erhalten Sie die Fähigkeit, Ihren Schmerz besser steuern zu können. Ein besserer Umgang mit den Schmerzen ermöglicht es Ihnen, einen besseren Weg im Leben mit weniger Schmerzen zu finden.

Wer führt die Psychotherapie durch?

Unser Team besteht aus besonders erfahrenen psychologischen Psychotherapeuten, denen es ein persönliches Anliegen ist, Menschen mit chronischen Schmerzen zu unterstützen. Sie arbeiten mit verschiedenen Verfahren und lehnen sich in ihrer Arbeit an das Curriculum der Deutschen Gesellschaft für psychologische Schmerztherapie und ‑forschung e. V. (DGPSF) an.

Wie kann man die Psychotherapie ambulant weiterführen?

Falls Sie und Ihr Psychologe es für hilfreich erachten, unterstützen wir Sie gerne darin, die bei uns begonnene Psychotherapie ambulant weiter fortzuführen.

Hier finden Sie eine Liste der spezialisierten Schmerzpsychotherapeuten in Deutschland.

Liste der spezialisierten Schmerzpsychotherapeuten

Lesetipps für Patienten zur Schmerzpsychotherapie

  1. Thomas Bißwanger-Heim. Schmerztherapie: Was tun, wenn der Schmerz nicht nachlässt. Stiftung Warentest.
  2. David Butler. Schmerzen verstehen. Springer Verlag.
  3. Barabara Glier. Chronische Schmerzen bewältigen: Verhaltenstherapeutische Schmerz-behandlung (Leben lernen). Klett Cotta Verlag.
  4. Hans-Günter Nobis, Roman Rolke, Toni Graf-Baumann. Schmerz - eine Herausforderung: Informationen für Betroffene und Angehörige - Offizielle Informationsschrift mehrerer Schmerzgesellschaften. Springer Verlag.
  5. Jutta Richter. Schmerzen verlernen. Springer Verlag

Wissenschaftliche Literatur zur Psychotherapie (Auswahl):

  1. Hasenbring M, Hallner D, Klasen B. Psychologische Mechanismen im Prozess der Schmerzchronifizierung. Schmerz 2001; 15:442–447. 
  2. Häuser W, Galek A, Erbslöh-Möller B, et al. Posttraumatic stress disorder in fibromyalgia syndrome: prevalence, temporal relationship between postraumatic stress and fibromyalgia symptoms, and impact on clinical outcome. Pain 2013; 154(8):1216–1223. 
  3. Hoogendorn WE, Poppel MNM van, Bongers PM et al. Systematic review of psychological factors at work and private life as risk factors for back pain. Spine 2000; 25(16):2114–2125.
  4. Huge V, Müller E, Beyer A et al. Patients with chronic pain syndromes. Impact of an individual outpatient therapy program on pain and health-related quality of life. Schmerz 2010; 24:459–467.
  5. Kröner-Herwig B, Frettlöh J, Klinger R, Nilges P (2011) Schmerzpsychotherapie: Grundlagen – Diagnostik – Krankheitsbilder – Behandlung, 7. Aufl. Springer, Berlin
  6. Pfingsten M, Leibing E, Harter W et al. Fear-avoidance behavior and anticipation of pain in patients with chronic low back pain. Pain 2001; 2(4):259–266.