Maltherapie (Kunsttherapie)

Wir freuen uns sehr, dass wir Ihnen in der Schmerzklinik Berlin die Maltherapie als ein sehr effektives und kreatives Therapieverfahren anbieten können.

Warum ist die Maltherapie für Schmerzpatienten sinnvoll?

Man kann nicht alles mit Worten äußern und nicht jedes Problem mit der Sprache lösen. Die Maltherapie ist ein kreativer Prozess, in dem sich eigene Erfahrungen durch spontanen Umgang mit Farben und Formen erweitern lassen. Innere Kräfte und Ressourcen können entdeckt werden, wodurch sich neue Lösungsansätze für das eigene Leben herausbilden können. Das Bedeutendste hierbei ist, dass Gefühle ohne Worte ausgedrückt werden, also nonverbal, und zwar durch selbst erschaffene Bilder oder Arbeiten.

Mithilfe der Maltherapie und unter Einsatz praktischer Mittel (z. B. Tonen, Zeichnen etc.) kann erlernt werden, die eigene Welt (wieder) besser wahrzunehmen. Erlebnisse, Phantasien oder Zustände werden während des kreativen Tuns in eine äußere – offensichtliche – Realität umgewandelt. Diese sichtbare Realität ist für Menschen zumeist leichter begreifbar und nachvollziehbarer.

Auch verborgene Inhalte des Unterbewusstseins können durch therapeutisches Malen zum Vorschein gebracht werden. Manchmal werden Menschen von Erlebnissen, an die sie sich nicht mehr erinnern können oder wollen, erheblich belastet. Gerade verdrängte Geschehnisse rauben ihnen Energie und Kraft, können jedoch beim Malen zurück ins Bewusstsein dringen und im weiteren Verlauf Heilung erfahren.

Die Maltherapie ist eine Behandlungsform, die durch kreative Mittel zum Erfolg führt, sie ist ein wichtiger Bestandteil aktueller Therapieformen und wird in sämtlichen psychotherapeutischen Einrichtungen wie beispielsweise Psychiatrien, psychosomatischen Kliniken und psychologischen Praxen als Gruppen‑ oder Einzeltherapie angewendet. Die Wirkungsfaktoren sind: therapeutische Beziehungen, Raumgestaltung, Wahrnehmung, Bewusstmachung durch Gespräche und Neugestaltung des Selbst.

Für Menschen, die nicht viel reden oder aus den verschiedensten Gründen Schwierigkeiten mit dem verbalen Ausdruck und ihrer Kommunikation haben, aber auch für andere und/oder speziell für Kinder eröffnet die Maltherapie eine neue Möglichkeit, die eigenen Gefühle auszudrücken.

Auf diesem Weg zu neuen Erfahrungen und Erkenntnissen zu gelangen und kreativ zu konstruktiven Lösungen zu finden, ist ein äußerst spannender Weg, der oft tiefe Befriedigung bei den Patienten auslöst.

Die Kunsttherapie oder künstlerische Selbsterfahrung ist nicht nur für „Künstler“, sondern für jeden Menschen geeignet, egal, wie lange es her ist, dass er einen Pinsel in der Hand gehalten hat. Es geht nicht darum, schöne Bilder zu malen, sondern um den Gestaltungsprozess, die Auseinandersetzung mit eigenen Lebensfragen auf zunächst nonverbaler Ebene (Kunsttherapeutin Tina Baronetti).

Was ist das Ziel der Maltherapie?

Ausgangspunkt für das therapeutische Geschehen ist die Tätigkeit, nicht das Produkt. Dies ist ein wichtiger Grundsatz der Maltherapie. Die Vorstellung, dass der Patient gesund wird, nachdem der Therapeut sein Bild analysiert und interpretiert hat, ist falsch. Aus dem Bild können Emotionen und Gefühle zwar herausgelesen werden, doch der eigentliche Heilungsprozess findet während dem Tätigsein statt.

Während der Arbeit am Bild ist es dem Patienten möglich, Zusammenhänge zwischen sich und seiner Umwelt wahrzunehmen und dabei seine eigene Realität zu erkennen. Nachdem dieser wichtige Schritt zur Wahrnehmung getan ist, kann das Problem gefunden und zusammen mit dem Therapeuten ein Lösungsweg entwickelt werden.

Hierbei sind oftmals Gruppensitzungen sehr hilfreich, weil in der Konfrontation mit den Problemen der anderen unbekannte emotionale und soziale Erfahrungen gemacht werden.

Schon von frühester Kindheit an wird dem Menschen beigebracht, sich durch Sprache auszudrücken. In der Maltherapie werden den Patienten andere Wege eröffnet, die ihnen bislang vielleicht verschlossen blieben.

Die Maltherapie eignet sich hervorragend als Ergänzung anderer therapeutischer Methoden und kann bei fast allen Klienten und Patienten zur Anwendung kommen. Bei gesunden Menschen fördert sie die Persönlichkeitsreifung und Kreativität (Kunsttherapeutin Tina Baronetti).

Zusammenfassung

Unsere Erfahrung ist, dass die Maltherapie mit im Grunde einfachen Mitteln ein manchmal überraschend wirksames Verfahren ist, um mit chronischen Schmerzen besser leben zu können und neue Ressourcen zu entwickeln. Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei der Maltherapie!

Wer führt diese Therapie durch?

Unsere diplomierten Kunsttherapeuten werden sich intensiv um Sie kümmern.

Wie kann man die Maltherapie ambulant weiterführen?

Unsere Maltherapeuten geben Ihnen die entsprechenden Adressen und Kontakte und informieren Sie auch über Möglichkeiten der Kostenerstattung.

Lesetipps für Patienten zur Maltherapie

  1. Liane Collot dʼHerbois. Licht, Finsternis und Farbe in der Maltherapie. Verlag am Goetheanum.
  2. Bettina Egger. Der gemalte Schrei: Geschichte einer Maltherapie. Zytglogge-Verlag.
  3. Jolande Jacobi. Vom Bilderreich der Seele. Wege und Umwege zu sich selbst. Walter Verlag.4.    Thomas Lüchinger. Intuitiv Malen: Wege zur Kreativität. Zytglogge Werkbuch.
  4. Martin Schuster undHildegard Ameln-Haffke. Selbsterfahrung durch Malen und Gestalten: Die therapeutische Kraft der Kunst nutzen. Hogrefe Verlag.

Wissenschaftliche Literatur zur Maltherapie (Auswahl):

  1. Crone DM, O’Connell EE, Tyson PJ, Clark-Stone F, Opher S, James DV. “Art Lift” intervention to improve mental well-being: an observational study from U.K. general practice. Int J Ment Health Nurs. 2013 Jun;22(3):279-86.
  2. Hamre HJ, Kiene H, Ziegler R, Tröger W, Meinecke C, Schnürer C, Vögler H, Glockmann A, Kienle GS. Overview of the Publications From the Anthroposophic Medicine Outcomes Study (AMOS): A Whole System Evaluation Study. Glob Adv Health Med. 2014 Jan;3(1):54-70.
  3. Kirkham JA, Smith JA, Havsteen-Franklin D. Painting pain: an interpretative phenomenological analysis of representations of living with chronic pain. Health Psychol. 2015 Apr;34(4):398-406.
  4. Pielech M, Sieberg CB, Simons LE. Connecting parents of children with chronic pain through art therapy. Clin Pract Pediatr Psychol. 2013 Sep 1;1(3):214-226.
  5. Zangi HA, Mowinckel P, Finset A, Eriksson LR, Høystad TØ, Lunde AK, Hagen KB. A mindfulness-based group intervention to reduce psychological distress and fatigue in patients with inflammatory rheumatic joint diseases: a randomised controlled trial. Ann Rheum Dis. 2012 Jun;71(6):911-7.